12.05.2026
Zwischen Erfahrung und Aufbruch – Pflege im Dialog
Tag der Pflegenden
Am 12. Mai wird weltweit der Internationale Tag der Pflegenden begangen – ein Anlass, um die Arbeit von Pflegekräften sichtbar zu machen und ihre zentrale Rolle im Gesundheitswesen zu würdigen. Der Tag erinnert an den Geburtstag von Florence Nightingale, einer Pionierin der modernen Pflege, und steht heute mehr denn je für Anerkennung, aber auch für den Blick in die Zukunft des Berufs.

In der BBT-Region Koblenz-Saffig nutzen wir diesen Tag, um unterschiedliche Perspektiven aus der Pflege zusammenzubringen. Dafür führen wir Doppelinterviews mit jeweils einer jungen und einer erfahrenen Pflegekraft mit langjähriger Berufserfahrung aus dem Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur, dem St. Elisabeth Lahnstein und von den Barmherzigen Brüdern Saffig. Ziel ist es, Entwicklungen im Pflegeberuf sichtbar zu machen, Erfahrungen zu teilen und den Dialog zwischen Generationen zu fördern – mit gleichen Fragen, aber unterschiedlichen Blickwinkeln.
Im Doppelinterview: Lena Wagner und Stefanie Dötsch aus dem Seniorenzentrum Münstermaifeld
Lena Wagner hat 2018 ihre Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen und
arbeitet heute im Seniorenzentrum Münstermaifeld. Stefanie Dötsch hat im Jahr
2006 erste Erfahrungen im Rahmen eines Praktikums gemacht und leitet heute
gemeinsam mit Lena Wagner eine Wohngruppe in Münstermaifeld.
Was hat Sie damals bzw. heute dazu motiviert, in die
Pflege zu gehen?
Lena Wagner: Von Beginn an war klar,
ein klassischer Bürojob ist nichts für mich. Ich absolvierte zuvor
unterschiedliche Praktika und ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich der
Pflege. Besonders der abwechslungsreiche Alltag, der Kontakt mit Menschen, die
Zusammenarbeit mit den Ärzten und den vielen an der Pflege beteiligten
Berufsgruppen reizten mich, diesen Beruf zu erlernen.
Stefanie Dötsch: Ich war damals
unschlüssig, ob dieser Beruf etwas für mich ist. Meine Mutter sagte, ich sollte
einfach mal ein Praktikum machen. Dies habe ich dann gemacht. In diesen zwei
Wochen hat es mich überzeugt, diesen Berufsweg einzuschlagen. Es war mir sehr
wichtig, bedürftige Menschen zu unterstützen und zu fördern, wo sie Hilfe im
Alltag benötigen. Dies motiviert mich heute noch, die Erfolge zu sehen und wie
sie sich freuen und dankbar sind.

Was macht den Pflegeberuf für Sie persönlich besonders – was gibt Ihnen Sinn in Ihrer Arbeit?
Lena Wagner: Es wird nie langweilig. Jeder Tag ist anders. Die Abwechslung und die täglich neuen Herausforderungen, die zu bewältigen sind, machen den Pflegealltag sehr interessant. Im Pflegeheim betreue ich die Bewohner (meistens) von Einzug bis zu ihrem Lebensende. Ich darf sie in ihrem Alltag und letzten Lebensabschnitt begleiten und stehe ihnen unterstützend zur Seite. Das finde ich sehr besonders!
Stefanie Dötsch: Mir persönlich ist es wichtig, eine Verbindung und ein Vertrauen zu den Bewohnern und deren Angehörigen aufzubauen. Es ist für mich sehr interessant, was man von früher erzählt bekommt, von ihnen selbst oder auch von deren Angehörigen. Dies hilft mir besonders dann, wenn die Bewohner sich selbst nicht mehr äußern können. Zu sehen, wie sie sich freuen, wenn man nach einem freien Arbeitstag oder nach dem Urlaub zurückkommt, oder wenn sie selbst aus dem Krankenhaus zurückkommen und sagen, sie seien froh, wieder zu Hause zu sein. Ihre Unsicherheit zu nehmen, wenn sie neu bei uns einziehen und noch keinen anderen Bewohner kennen. Mit ihnen Spaß zu haben und auch zu lachen. Ihnen den letzten Weg so angenehm wie möglich zu machen, ohne Angst und Schmerzen. Es gibt so vieles, was diesen Beruf für mich persönlich so besonders macht.
Vor welchen Herausforderungen steht die Pflege aktuell aus Ihrer Sicht?
Lena Wagner: Pflege muss neu gedacht werden. Fachkraftmangel und der demografische Wandel stellen die Pflege vor große Herausforderungen. Es braucht Mut, Durchhaltevermögen und das Vertrauen, neue Ideen und Prozesse anzunehmen und umzusetzen.
Stefanie Dötsch: Die Herausforderung ist aktuell der hohe Personalmangel und unter anderem die hohe Pflegebedürftigkeit, wodurch eine höhere Arbeitsbelastung entsteht. Eine Herausforderung ist auch, mit Diagnosen wie Demenz, psychischen Erkrankungen sowie Wundversorgung umgehen zu können. Die Zusammenarbeit mit Ärzten und Wundtherapeuten ist ebenfalls wichtig. Für mich persönlich ist die größte Herausforderung, wenn Bewohner sterben. Man baut nach einem gewissen Zeitraum eine Verbindung zu den Bewohnern auf, schließt sie ins Herz und muss sie dann gehen lassen.
Welche Wünsche oder Hoffnungen haben Sie für die Zukunft der Pflege?
Lena Wagner: Dass die Politik offener und schneller auf die Herausforderungen der heutigen Pflege reagiert und der Beruf für junge Berufseinsteiger wieder richtig interessant wird.
Stefanie Dötsch: Meine Wünsche und Hoffnungen sind, dass der Beruf noch attraktiver gestaltet wird und sich wieder mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden. Es ist zwar eine anstrengende Arbeit, aber auch so besonders. Man erlebt jeden Tag so viel mit den Bewohnern und bekommt dafür so viel Dankbarkeit und Freude zurück. Für mich ist das die größte Anerkennung und das größte Lob, jeden Tag den Beruf mit Freude weiterzumachen.


