12.05.2026
Zwischen Erfahrung und Aufbruch – Pflege im Dialog
Tag der Pflegenden
Am 12. Mai wird weltweit der Internationale Tag der Pflegenden begangen – ein Anlass, um die Arbeit von Pflegekräften sichtbar zu machen und ihre zentrale Rolle im Gesundheitswesen zu würdigen. Der Tag erinnert an den Geburtstag von Florence Nightingale, einer Pionierin der modernen Pflege, und steht heute mehr denn je für Anerkennung, aber auch für den Blick in die Zukunft des Berufs.

In der BBT-Region Koblenz-Saffig nutzen wir diesen Tag, um unterschiedliche
Perspektiven aus der Pflege zusammenzubringen. Dafür führen wir
Doppelinterviews mit jeweils einer jungen und einer erfahrenen Pflegekraft mit
langjähriger Berufserfahrung aus dem Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur,
dem St. Elisabeth Lahnstein und von den Barmherzigen Brüdern Saffig. Ziel ist
es, Entwicklungen im Pflegeberuf sichtbar zu machen, Erfahrungen zu teilen und
den Dialog zwischen Generationen zu fördern – mit gleichen Fragen, aber
unterschiedlichen Blickwinkeln.
Im Doppelinterview: Julia Diederich und Noelle Minnaert aus dem St. Elisabeth Lahnstein
Noelle Minnaert hat 2024 die generalistische Pflegeausbildung in einem
Seniorenzentrum absolviert und arbeitet seitdem als Pflegefachkraft auf der
geschützten Akutstation im St. Elisabeth. Im letzten Jahr hat sie sich darüber
hinaus zur Boxtherapeutin für verschiedene Krankheitsbilder weiterbilden
lassen. Julia Diederich hat 2010 ihre Ausbildung zur Gesundheits- und
Krankenpflegerin absolviert und 2016 den Bachelor of Art Psychische Gesundheit/Psychiatrische
Pflege erworben. Zudem ist sie ausgebildete Case Managerin. Sie blickt auf 16
Jahre Berufserfahrung in der Psychiatrie zurück und ist seit 2024 Stationsleiterin im St. Elisabeth.
Was hat Sie damals bzw. heute dazu motiviert, in die
Pflege zu gehen?
Noelle
Minnaert: Mich hat
motiviert, einen Beruf zu machen, bei dem man wirklich helfen kann und die
Patienten aktiv dabei unterstützt, sich positiv weiterzuentwickeln. In der
Pflege merkt man direkt, dass man einen echten Unterschied für die Menschen
bewirkt und gebraucht wird. Zudem war auch schon meine Oma immer ein großes Vorbild
für mich als Krankenschwester.
Julia
Diederich: Schon früh habe ich erkannt, wie wertvoll es ist,
Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten. Der Wunsch, anderen zu
helfen und sie in ihrer Selbstständigkeit zu stärken, war für mich von Anfang
an ein starker Antrieb. Pflege bedeutet für mich, einen Beitrag zur
Lebensqualität der Patient*innen zu leisten, ihre Zufriedenheit zu fördern und
ihnen in herausfordernden Momenten Halt zu geben.
Meine Motivation ist auch sehr persönlich geprägt: Durch den Verlust meines
Vaters an Krebs habe ich hautnah erlebt, wie wichtig einfühlsame Pflege und
Begleitung in schweren Zeiten sind. Diese Erfahrung hat meinen Wunsch, in der
Pflege tätig zu sein, noch einmal vertieft und mir gezeigt, wie bedeutsam jeder
einzelne Moment im Leben eines Menschen sein kann. Jeder Patient erzählt seine
eigene Geschichte, und diese Geschichten kennenzulernen, ihnen zuzuhören und
sie zu begleiten, bereichert meinen Berufsalltag. Es ist die Kombination aus
menschlicher Nähe, Sinnstiftung und dem Gefühl, wirklich etwas zu bewirken.
Was macht den Pflegeberuf für Sie persönlich besonders – was gibt Ihnen Sinn in Ihrer Arbeit?
Noelle Minnaert: Für mich besonders ist, dass kein Tag gleich ist und man mit Menschen arbeitet, nicht nur mit Aufgaben. Wenn man merkt, dass es jemandem durch die eigene Arbeit bessergeht, gibt einem das schon sehr viel zurück.
Julia Diederich: Für mich ist der Pflegeberuf weit mehr als ein Beruf, er ist eine tägliche Möglichkeit, einen Unterschied im Leben von Menschen zu machen. Besonders erfüllend ist für mich, die Veränderung und Verbesserung bei Patient*innen mitzuerleben. Ich freue mich jeden Tag, zu sehen, wie kleine Schritte der Unterstützung große Wirkung entfalten.
Die Vielfältigkeit der pflegerischen Versorgung fasziniert mich dabei immer wieder. Jeder Tag bringt neue Eindrücke, neue Herausforderungen und die Chance, individuelle Wege der Hilfe zu gestalten. Besonders bereichernd ist die Beziehungsarbeit: das Vertrauen, das Patient*innen schenken, die Gespräche, die Begegnungen, die kleinen Momente der Nähe.
All dies ist nicht nur für die Menschen, die ich begleite, von Bedeutung, sondern auch für mich selbst. Die Pflege ermöglicht mir kontinuierliche persönliche Entwicklung, Reflexion und die ständige Erweiterung meines Horizonts. Gerade diese Kombination aus Verantwortung, Empathie und stetigem Lernen macht für mich den Pflegeberuf so besonders.

Vor welchen Herausforderungen steht die Pflege aktuell
aus Ihrer Sicht?
Noelle
Minnaert: Die größte
Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Viele Pflegekräfte sind erschöpft,
haben zu wenig Zeit für echte Menschlichkeit und müssen trotzdem jeden Tag
funktionieren.
Julia
Diederich: Die Pflege steht aktuell vor vielfältigen
Herausforderungen, die den Berufsalltag maßgeblich prägen. Ein wesentlicher
Aspekt ist der stetige Wandel im Gesundheitswesen: neue gesetzliche Vorgaben,
sich verändernde Anforderungen und fortlaufende Anpassungen in der Versorgung
fordern Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Pflegekräften.
Finanzielle Engpässe stellen eine weitere große Herausforderung dar, da sie
direkten Einfluss auf Ressourcen, Ausstattung und damit auch auf die Qualität
der Pflege haben können. Eng damit verbunden ist der anhaltende Personalmangel,
der nicht nur die Arbeitsbelastung erhöht, sondern auch die langfristige
Stabilität und Attraktivität des Berufs beeinträchtigen kann.
Zudem erfordert der anstehende Generationswechsel in der Pflege neue
Konzepte für Wissenstransfer, Einarbeitung und den Erhalt von Erfahrungsschätzen.
Gleichzeitig eröffnet die fortschreitende Digitalisierung Chancen,
Pflegeprozesse effizienter zu gestalten und die Arbeit zu erleichtern, stellt
die Einrichtungen jedoch auch vor die Aufgabe, digitale Kompetenzen aufzubauen
und neue Technologien sinnvoll zu integrieren.
Insgesamt ist die Pflege heute gefordert, flexibel auf Veränderungen zu
reagieren, die Balance zwischen Qualität und Ressourcen zu halten und
gleichzeitig die Menschen im Mittelpunkt der Arbeit nicht aus den Augen zu
verlieren.
Welche Wünsche oder Hoffnungen haben Sie für die Zukunft der Pflege?
Noelle Minnaert: Ich wünsche mir, dass Pflege endlich mehr Wertschätzung bekommt – nicht nur mit Worten, sondern auch durch bessere Arbeitsbedingungen, mehr Zeit für Patienten und mehr Respekt für den Beruf.
Julia Diederich: Für die Zukunft der Pflege wünsche ich mir, dass wir gemeinsam wachsen – als Team, als Berufsgruppe und als Gemeinschaft innerhalb des Gesundheitswesens. Eine offene Zusammenarbeit, in der wir voneinander lernen und uns kontinuierlich weiterentwickeln, ist für mich der Schlüssel, um die Pflegequalität zu steigern.
Dabei darf der Mensch nie aus dem Blick geraten. Beziehungsarbeit und persönliche Zuwendung müssen weiterhin im Zentrum unseres Handelns stehen. Mein Wunsch ist es, dass wir trotz aller Veränderungen und Herausforderungen immer den Fokus auf die Patient*innen behalten, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen.
Wenn wir als Pflegekräfte die Chance erhalten, uns gegenseitig zu stärken, Wissen zu teilen und innovative Wege zu gehen, können wir nicht nur die Versorgung verbessern, sondern auch die Pflege als Berufsfeld nachhaltig zukunftsfähig gestalten.


