23.09.2026
Interview mit Fachkräften des Seniorenzentrums St. Josef Münstermaifeld zur Woche der Demenz
Menschen mit Demenz im Alltag begleiten
Die Woche der Demenz vom 21. - 27. September macht auf die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen aufmerksam. Auch im Seniorenzentrum St. Josef Münstermaifeld spielt die Begleitung demenzerkrankter Menschen eine wichtige Rolle. Im Interview geben Mitarbeitende aus dem sozialbegleitenden Dienst und der Pflege Einblicke in besondere Angebote für demenzkranke Menschen. Außerdem verraten sie uns Tipps für den Umgang mit betroffenen Angehörigen und erklären, welche Warnsignale auf die Krankheit hinweisen können.

Welche
besonderen Angebote gibt es im Seniorenzentrum St. Josef für Menschen mit
Demenz?
Die Angebote
reichen vom leichten Gedächtnistraining mit Erinnerungsarbeit bis zum Besuch
kultureller Veranstaltungen. Dabei wird besonders darauf geachtet, ob sich die
Bewohnerinnen und Bewohner in einer großen Gruppe wohlfühlen oder durch viele
Menschen sowie eine hohe Geräuschkulisse überfordert sind. Musikalische
Angebote und Bewegungsübungen mit verschiedenen Hilfsmitteln sind ebenfalls
wichtige Bestandteile der Betreuung. Auch hauswirtschaftliche Aktivitäten wie
die Zubereitung von Fingerfood und das Backen von Kuchen finden wöchentlich
statt. Einmal im Monat wird auf dem Wohnbereich zudem ein Demenzgottesdienst
gefeiert. Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht mobil sind, können die Angebote
auch am Bett wahrnehmen. Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Demenz
werden zusätzlich durch Angebote der Basalen Stimulation begleitet.
Gibt es
spezielle fachliche Methoden, die die Mitarbeitenden bei der Betreuung
demenzkranker Menschen verwenden?
Bei der
Betreuung demenzerkrankter Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten die
Mitarbeitenden nach dem Ansatz der integrativen Validation. Validation
bedeutet, die Gefühle und die Wahrnehmung von Menschen mit Demenz ernst zu
nehmen und zu bestätigen. Das gilt auch dann, wenn ihre Aussagen für andere
nicht rational nachvollziehbar sind. Die betroffene Person wird in ihrer
eigenen Wirklichkeit abgeholt. Dabei wird darauf verzichtet, sie zu
korrigieren.
Was würden Sie Angehörigen von Menschen mit Demenz für die Kommunikation und Alltagsgestaltung empfehlen?
Eine ruhige und wertschätzende Kommunikation gibt Sicherheit und kann Stress reduzieren. Angehörige sollten kurze und klare Sätze mit wenigen Informationen verwenden. Dabei sollten sie langsam sprechen und Pausen machen. Das Halten von Blickkontakt vermittelt zudem Aufmerksamkeit und Sicherheit. Angehörige sollten Menschen mit Demenz nicht verbessern, korrigieren oder ihnen widersprechen. Stattdessen ist es wichtig, ihre Gefühle ernst zu nehmen und auf ihre Emotionen einzugehen.
Welche typischen Anzeichen und Warnsignale können auf eine Demenz hinweisen?
Zu den möglichen Warnsignalen gehören das Vergessen von kurz zurückliegenden Ereignissen, Schwierigkeiten bei gewohnten Tätigkeiten und Sprachstörungen. Auch nachlassendes Interesse an Arbeit, Hobbys und sozialen Kontakten kann auf eine Demenz hinweisen. Weitere Anzeichen sind Probleme, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden, ein fehlender Überblick über finanzielle Angelegenheiten und eine Fehleinschätzung von Gefahren. Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Misstrauen sowie das hartnäckige Abstreiten von Fehlern und Verwechslungen können ebenfalls auftreten.
Welche Möglichkeiten gibt es, einer Demenz vorzubeugen?
Als Risikofaktoren werden unter anderem Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Übergewicht und Rauchen genannt. Zur Vorbeugung wird empfohlen, soziale Kontakte zu pflegen und neue Hobbys auszuprobieren.


