25.09.2026

Interview mit Leiterin der Tagespflege Margarethe Plaidt zur Woche der Demenz

Menschen mit Demenz im Alltag begleiten

Die Woche der Demenz macht auf die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam. Auch im Seniorenzentrum Maria vom Siege Plaidt und in der Tagespflege Margarethe gehört die Begleitung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, zum Alltag. Im Interview gibt Simone Kesseler, die Leiterin der Tagespflege, Einblicke in besondere Betreuungsangebote, erklärt, was man beim Umgang mit Betroffenen beachten sollte und welche fachlichen Ansätze auch für Angehörige hilfreich sein können.

Woche der Demenz SZ MvS

Welche besonderen Angebote gibt es für Menschen mit Demenz im Seniorenzentrum Maria vom Siege Plaidt und in der Tagespflege Margarethe?

Sowohl im stationären Bereich als auch in der Tagespflege sind spezialisierte Betreuungskräfte beschäftigt, die tägliche Angebote für alle Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste anbieten. In der Regel handelt es sich um Gruppenangebote. Diese sind so gestaltet, dass sie gleichzeitig Menschen mit geringeren wie auch stärkeren kognitiven Einschränkungen fördern und fordern. Für die Gestaltung der Angebote werden verschiedene Spielgeräte und Spielesammlungen eingesetzt, darunter auch digitale Geräte und Medien.

Wie werden die Mitarbeitenden zum Thema Demenz geschult, und welche fachlichen Ansätze kommen zum Einsatz?

Die Betreuungskräfte haben eine Weiterbildung abgeschlossen, in der das Thema Demenz behandelt wird. Darüber hinaus bietet die Einrichtung gemeinsam mit externen Partnern regelmäßig weitere Weiterbildungen an. Die Mitarbeitenden können an diesen Angeboten vor Ort oder online teilnehmen.

Bei der Betreuung demenzerkrankter Menschen arbeiten die Mitarbeitenden nach dem Ansatz der integrativen Validation nach Naomi Feil. Die drei Grundsätze der integrativen Validation sind Akzeptanz, Empathie und Authentizität. Akzeptanz bedeutet, auf die individuelle Realität des Gegenübers einzugehen, anstatt diese zu korrigieren oder zu widerlegen. Gefühle und Handlungen werden als gültig angenommen. Empathie bedeutet, aktiv zuzuhören und sich in die Gefühlswelt und die Bedürfnisse der betroffenen Person hineinzuversetzen. Auf diese Weise sollen Trost und Geborgenheit vermittelt werden. Authentizität heißt, in den eigenen Gefühlen und Äußerungen ehrlich, echt und stimmig zu bleiben. Es ist wichtig, keine künstliche Rolle einzunehmen.

Simone Kesseler

Was können Angehörige von Menschen mit Demenz über den Umgang und die Kommunikation im Alltag lernen?

Auch für Angehörige demenzerkrankter Menschen werden Schulungen angeboten, in denen die Ansätze der integrativen Validation vermittelt werden. Die integrative Validation nach Nicole Richard gliedert den praktischen Umgang und das Gespräch mit Menschen mit Demenz in drei aufeinanderfolgende Schritte:

Im ersten Schritt geht es darum, Gefühle und Antriebe wahrzunehmen und zu erkennen. Angehörige sollten genau beobachten, was die betroffene Person tut, wie ihre Körpersprache ist und welche Gefühle oder Grundantriebe dahinterstehen. Dazu können beispielsweise Angst, Sorge, Wut oder ein starkes Pflichtbewusstsein gehören. Die Signale und das Verhalten werden ernst genommen, ohne sie zu bewerten oder zu korrigieren.

Im zweiten Schritt werden die Gefühle angesprochen und wertgeschätzt. Das erkannte Gefühl oder der Antrieb wird in ruhigen, klaren und kurzen Sätzen benannt. Aussagen wie „Sie machen sich große Sorgen“ oder „Sie möchten alles ganz genau richtig machen“ signalisieren Verständnis und vermitteln der betroffenen Person, dass ihre Wahrnehmung ernst genommen wird.

Im dritten Schritt wird das Gesagte verallgemeinert und mit Lebenserfahrungen verbunden. Dabei können vertraute Sprichwörter, Volksweisheiten, Lieder oder bekannte Lebenswerte helfen. Aussagen wie „Was muss, das muss“ oder „Kleine Kinder, kleine Sorgen“ können Halt geben und zur inneren Sicherheit und Beruhigung beitragen.

Bei einem begründeten Verdacht ist der erste Schritt der Gang zum Hausarzt.

Welche typischen Anzeichen und Warnsignale können auf eine Demenz hinweisen?

Typische Warnzeichen einer Demenz sind anhaltende Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, Orientierungsstörungen und Schwierigkeiten bei gewohnten Alltagsaufgaben. Viele dieser Anzeichen können anfangs auch andere Ursachen haben, wie z.B. Stress, Schlafmangel oder Depressionen. Bei einem begründeten Verdacht ist der erste Schritt der Gang zum Hausarzt. Dieser kann eine erste Abklärung vornehmen und bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen.