05.03.2026
Interview mit Julia Diederich zum Weltfrauentag
Durch Vertrauen und positive Bestärkung zur Führungsrolle
Anlässlich des Weltfrauentags rückt die Stärkung der Gleichberechtigung von Frauen in den Fokus, sei es durch den Abbau von strukturellen Barrieren oder das Durchsetzen von Rechten. Gerade im Gesundheits- und Sozialwesen leisten Frauen einen unverzichtbaren Beitrag, der weit über die reine fachliche Versorgung hinausgeht – so auch Julia Diederich, Stationsleitung im St. Elisabeth Lahnstein. Im Interview gibt sie uns Einblicke in ihren beruflichen Werdegang und welchen Herausforderungen sie dabei begegnet ist. Außerdem berichtet sie, wodurch sie das nötige Selbstvertrauen für den Schritt zur Führungsverantwortung gewonnen hat. Schließlich erfahren wir, wie sie die Balance zwischen beruflicher Verantwortung und privatem Ausgleich meistert und welche wertvollen Impulse sie jungen Frauen für den Karrierestart mitgeben möchte.

Wenn Sie auf
Ihren bisherigen Berufsweg zurückblicken: Gab es einen Moment, in dem Sie
gespürt haben „Ich traue mir mehr zu“ – und wer oder was hat Sie darin
bestärkt?
Wenn
ich auf meinen bisherigen Berufsweg zurückblicke, gibt es einen bestimmten
Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Vor zwei Jahren habe ich
die Stationsleitung übernommen. Es war eine Situation, in der ich vor einer
neuen, herausfordernden Aufgabe stand und plötzlich dieses Gefühl in mir
aufkam: „Ich traue mir mehr zu.“ Es war nicht nur die Aufgabe selbst, die mich
dazu brachte, sondern auch das Vertrauen, das mir von meiner Vorgesetzten
entgegengebracht wurde. Sie hat mich ermutigt, Verantwortung zu übernehmen,
meine Ideen einzubringen und über den gewohnten Rahmen hinauszudenken. Dieses
Vertrauen und die positive Bestärkung waren der Anstoß, meine eigenen
Fähigkeiten neu zu bewerten und mit mehr Selbstbewusstsein neue
Herausforderungen anzunehmen.
Gab es Momente auf
Ihrem beruflichen Weg, in denen Sie Rückenwind erlebt haben oder sich besonders
behaupten mussten?
Auf
meinem beruflichen Weg gab es immer wieder Momente, in denen ich echten
Rückenwind erfahren habe. Diese Momente haben mir gezeigt, wie wertvoll
Zusammenarbeit und gegenseitige Ermutigung sind. Gleichzeitig gab es aber auch
Zeiten, in denen ich mich besonders behaupten musste. Herausforderungen, die
mich an meine Grenzen brachten, aber mich gleichzeitig wachsen ließen. In
diesen Momenten habe ich gelernt, meinen Standpunkt klar zu vertreten,
entschlossen zu handeln und nicht aufzugeben, selbst wenn der Weg steinig war.
Beide Erfahrungen haben mich geprägt und mir gezeigt, dass es nicht nur auf
Erfolge, sondern auch auf die Art und Weise ankommt, wie man mit
Herausforderungen umgeht.
Wie sieht für Sie ganz
konkret die Balance zwischen Beruf und Privatleben aus? Gibt es Rituale,
Unterstützungsstrukturen oder persönliche Haltungen, die Ihnen helfen, beides
gut miteinander zu verbinden?
Für
mich ist die Balance zwischen Beruf und Privatleben eine fortlaufende,
individuelle Herausforderung, die ständige Aufmerksamkeit und Reflexion
erfordert. Ein wichtiger Bestandteil ist, dass ich mir bewusst Zeiten für mich
selbst nehme, sei es bei Spaziergängen mit meinem Hund, regelmäßigen Sport oder
das Malen eines Bildes. Diese Momente geben mir die Möglichkeit, Abstand vom
Berufsalltag zu gewinnen und neue Energie zu tanken. Außerdem versuche ich,
klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Unterstützungsstrukturen
spielen ebenfalls eine große Rolle, sowohl in beruflicher als auch in privater
Hinsicht. Ein gutes Team im Beruf, das sich gegenseitig unterstützt und auf
Augenhöhe kommuniziert, erleichtert es mir, Aufgaben effizient zu erledigen und
somit Zeit für mich und Freunde zu haben.
Gab es eine Kollegin oder Vorgesetzte, die für Sie eine besondere Mentorin oder Ermutigerin, vielleicht sogar ein Vorbild war? Was hat diese Unterstützung für Sie bedeutet?
Ja, ich habe das Glück, eine Vorgesetzte zu haben, die für mich eine ganz besondere Mentorin und Ermutigerin war. Ihre Unterstützung und Offenheit gegenüber meinen Ideen hat für mich nicht nur den beruflichen Alltag bereichert, sondern mir auch geholfen, mich persönlich weiterzuentwickeln. Besonders schätze ich ihre klare Kommunikation und ihre Fähigkeit, schwierige Themen in einer respektvollen und konstruktiven Art anzusprechen. Durch ihre Führung habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Entscheidungen selbstbewusst zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Sie hat mich nie in meiner Entwicklung eingeengt, sondern mir Raum gegeben, eigene Lösungen zu finden und dabei stets auf meine Stärken gesetzt. Ihre Art, mich zu fördern und mir gleichzeitig die Freiheit zu lassen, neue Wege zu gehen, hat mir gezeigt, wie wertvoll eine Führungskraft sein kann.
Was bedeutet es für Sie persönlich, als Frau im Gesundheits- und Sozialwesen zu arbeiten? Welche Werte leiten Sie – und was möchten Sie jungen Frauen mitgeben, die heute in diesen Beruf starten?
Für mich persönlich bedeutet es sehr viel, als Frau im Gesundheits- und Sozialwesen zu arbeiten. Dieser Bereich ist nicht nur von enormer gesellschaftlicher Bedeutung, sondern fordert auch ein hohes Maß an Empathie, Verantwortung und Teamarbeit. Als Frau habe ich die Möglichkeit, aktiv zur Verbesserung des Lebens anderer Menschen beizutragen und dabei auch meine eigenen Werte wie Fürsorglichkeit, Respekt und Gerechtigkeit zu leben. In meiner Arbeit leiten mich Mitgefühl, Integrität und der Wunsch, einen positiven Einfluss auf das Leben von Menschen zu haben, sei es durch direkte Unterstützung oder durch die Verbesserung der Bedingungen.
Für junge Frauen, die heute in diesen Beruf starten, möchte ich vor allem mitgeben: Traut euch, eure Stimme zu erheben und euch nicht von Herausforderungen entmutigen zu lassen. Das Gesundheits- und Sozialwesen ist ein Bereich, in dem ihr viel bewegen könnt, aber auch immer wieder an euch selbst wachsen werdet. Habt Vertrauen in eure Fähigkeiten und eure Intuition und seid bereit, auch in schwierigen Zeiten die Perspektive zu wechseln und Lösungen zu finden. Es ist ein Beruf, der nicht nur viel von uns verlangt, sondern uns auch unglaublich viel zurückgibt.


