15.10.2025
Interview mit Chefärztin Dr. Esther Jacobi
Woche der seelischen Gesundheit
Die Woche der Seelischen Gesundheit möchte auf die unterschiedlichen Strategien zur Bewältigung und auf das vielfältige psychosoziale Hilfsangebot in Deutschland aufmerksam machen sowie zum gemeinsamen Austausch und gegenseitiger Unterstützung aufrufen. Zu diesem Anlass haben wir mit Dr. Esther Jacobi, Chefärztin der Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie in Saffig und St. Elisabeth in Lahnstein, gesprochen. Sie verrät uns Strategien zum Umgang mit Ängsten, erläutert den Einfluss der sozialen Medien auf das Thema psychische Gesundheit und gibt Tipps, wie Angehörige unterstützen können.

Was würden Sie Menschen raten, die unter Ängsten leiden? Wie können sie am besten mit diesen Ängsten umgehen, um wieder mit Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft blicken zu können?
Versuchen Sie, Atemtechniken, Achtsamkeits- und Meditationsübungen anzuwenden. Bewegung durch Spaziergänge und Sport helfen ebenfalls, die Angst zu reduzieren, wogegen Vermeidungsverhalten Angst verstärkt. Es ist daher wichtig, sich seinen Ängsten zu stellen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen. Bei starken oder chronischen Ängsten sind professionelle ärztliche und psychotherapeutische Hilfe wichtig und sehr wirksam. Besonders bewährt hat sich hierbei die kognitive Verhaltenstherapie.
Wie nehmen Sie die aktuelle psychische Entwicklung bei jungen Menschen wahr? Welche Rolle spielt dabei Ihrer Meinung nach Social Media?
Mein Eindruck ist, dass junge Menschen offener mit psychischen Problemen und Erkrankungen umgehen. Soziale Medien tragen stark zur Entstigmatisierung bei und erleichtern die Recherche zu Symptomen und Behandlungsoptionen. Leider werden über Social Media auch viele Desinformationen verbreitet, die zu Verunsicherung oder falschen Selbstdiagnosen führen können. Gerade Begriffe wie „Neurodiversität“ oder „Hochsensibilität“ boomen auf den diversen Online-Plattformen. Dazu kursieren oft ungenaue Informationen und Stereotypen über Themen wie ADHS oder Autismus.
Wie können Angehörige, Freunde und die
Gesellschaft insgesamt Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützen?
Angehörige
können unterstützen, indem sie zuhören, ohne zu urteilen und auch Rückschritte
im Krankheitsverlauf ohne Schuldzuweisung akzeptieren. Gut ist, wenn Angehörige
es schaffen, eine verlässliche Bezugsperson zu bleiben und gleichzeitig die eigenen Grenzen
zu wahren.
Welche Angebote und Hilfen bieten wir in
unseren Fachkliniken in Saffig und St. Elisabeth in Lahnstein für Betroffene
an?
Problematisch und
frustrierend für viele Patient*innen ist leider weiterhin der schwierige Zugang
zu ambulanter Psychotherapie. Unser Ziel ist es daher, das ambulante Therapieangebot in unseren
Fachkliniken weiter auszubauen und ein ambulantes Psychotherapieangebot in
unserer Fachklinik in Lahnstein zu etablieren. In unserer teilstationären und stationären Behandlung erhalten
Patient*innen mit starken Ängsten umfangreiche Therapien einschließlich einer
geeigneten Medikation und Psychotherapie.



