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16.10.2025

Interview mit Psychologin Lilly Wille

"Angehörige können vor allem zuhören"

Zur Woche der Seelischen Gesundheit haben wir mit Lilly Wille, psychologische Psychotherapeutin in der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Saffig, gesprochen. Im Interview verrät Sie uns ein bewährtes Instrument zum Umgang mit Ängsten, wie sie die Rolle der Sozialen Medien einschätzt und wodurch man Betroffene bestmöglich unterstützt.

"Angehörige und Freunde können vor allem zuhören und sich über die Erkrankung informieren".
"Angehörige und Freunde können vor allem zuhören und sich über die Erkrankung informieren".

Was würden Sie Menschen raten, die unter Ängsten leiden? Wie können sie am besten mit diesen Ängsten umgehen, um wieder mit Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft blicken zu können?

Ängste sind meiner Erfahrung nach für viele Menschen besonders schwer zu ertragen und verleiten dazu, den Inhalt oder Fokus der Angst zu vermeiden. Genau das trägt jedoch wiederum dazu bei, Ängste zu schüren. Hilfreich finde ich, sich mit der Angstkurve zu beschäftigen. Diese beschreibt kurz gesagt, dass Angstzustände nicht bis ins Unermessliche ansteigen und dauerhaft sehr hoch bleiben können. Mit diesem Wissen sollte man sich den Ängsten stellen und die Erfahrung machen, dass etwas Anderes eintritt, als befürchtet. Diese Erfahrung sollte man dann möglichst bewusst für sich abspeichern.

Wie nehmen Sie die aktuelle psychische Entwicklung bei jungen Menschen wahr? Welche Rolle spielt dabei Ihrer Meinung nach Social Media?

Die jungen Menschen, die ich im Klinikalltag erlebe, sind psychisch belastet, wobei die Stichprobe natürlich nicht repräsentativ ist. Für die Gesellschaft generell finde ich es sehr schwierig, die Entwicklung einzuschätzen. Was ich wahrnehme ist eine Tendenz zu weniger Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen. Social Media kann ein tolles Werkzeug sein, sich mit Menschen aus aller Welt auszutauschen. Dies erleichtert aber auch den Zugang zu falschen Informationen oder ungesunden Inhalten. Meine Hypothese ist, dass es heutzutage leichter gelingt, in ungesunde Kreise mit hohen Erwartungen zu gelangen.

Wie können Angehörige, Freunde und die Gesellschaft insgesamt Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützen?

Angehörige und Freunde können vor allem zuhören und sich über die Erkrankung informieren. Sie sollten möglichst einen Raum schaffen, in dem der oder die Betroffene sich sicher fühlen, falls erwünscht über Schwierigkeiten zu sprechen. Meiner Erfahrung nach profitieren viele Betroffene davon, wenn Nahestehende offen nachfragen, was vom Betroffenen gewünscht ist.

Welche Angebote und Hilfen bieten wir in unseren Fachkliniken in Saffig und St. Elisabeth in Lahnstein für Betroffene an?

Wir bieten primär voll- und teilstationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung für Betroffene und unterstützen auch bei Fragestellungen, die sich im Rahmen der Erkrankung um Arbeitgeber und Ämter drehen. Immer wieder stellen wir auch Kontakte zu nachbetreuenden Kollegen her.

Hintergrund: Die Woche der Seelischen Gesundheit möchte auf die unterschiedlichen Strategien zur Bewältigung und auf das vielfältige psychosoziale Hilfsangebot in Deutschland aufmerksam machen sowie zum gemeinsamen Austausch und gegenseitiger Unterstützung aufrufen. Die Aktionswoche findet vom 10. – 20. Oktober in ganz Deutschland statt.

Woche der Seelischen Gesundheit
 
 

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