Den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten

Peter Friedhofen - eine geistliche Lebensbetrachtung

Wollte man das Leben des seligen Peter Friedhofen unter ein biblisches Wort stellen, so könnte dieses mit Paulus lauten: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten." (2 Tim 4,6b)
Im Leben des Seligen wird deutlich, wie Gott einen Weg mit einem Menschen geht und ihn trotz mancher Widrigkeiten und persönlicher schwerer Schläge begleitet und schließlich sein Leben im göttlichen Glanz erstrahlen lässt.
Peter Friedhofen wurde am 25. Februar 1819 in Weitersburg, in der Nähe von Koblenz geboren. Den Vater verlor er mit eineinhalb Jahren, die Mutter als er neun war. Schon früh mussten er und seine sechs Geschwister Not und Entbehrungen erleiden. Als er seinen Volkschulabschluss abgelegt hatte, begann er eine Lehre als Kaminfeger bei seinem älteren Bruder Jakob, an die sich Wanderjahre als Geselle anschlossen. Als Jakob starb, übernahm Peter die Sorge für die zwölfköpfige Familie, was seine finanziellen Möglichkeiten sowie seine physischen Kräfte überstieg, da er schon früh an einer Lungenkrankheit litt.
Bereits als Kind lebte und liebte Peter seinen Glauben. Die nicht einfachen Jahre der Kindheit hatten ihn Glauben und Beten gelehrt. Seine Verehrung galt von Kindheit an der Gottesmutter, die ihm in schweren Stunden Trost gab. Geprägt durch seine guten Erfahrungen und seine Freude am Glauben, wollte er auch andere daran teilhaben lassen. So gründete er, als er Geselle war, in einigen Pfarreien Aloysiusbruderschaften, in denen sich junge Männer trafen, um ihren Glauben zu leben.
Doch Peters Sehnsucht ging noch tiefer. Geprägt durch die eigene Lebensgeschichte mit leidvollen Erfahrungen, aber vor allem durch das Erkennen der sozialen Not gerade der Kranken und Hilfsbedürftigen seiner Zeit, reifte in ihm die Berufung heran, einen Orden zu gründen, eine Gemeinschaft von Brüdern, die sich der Pflege und Betreuung der Kranken annehmen sollten. Der Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi begrüßte zwar die Idee, im Bistum einen Krankenpflegeorden einzusetzen, dachte aber eher, dass Peter sich einem bereits existierenden Orden anschließen würde. Doch Peter fühlte sich dazu berufen, einen Orden mit einer eigenen Prägung zu gründen. Seine Berufung war es, "neues Feuer, neuen Geist und neue Triebe" zu entfachen. Nach einer Zeit des Überlegens war der Bischof einverstanden.
Zum Erlernen der Krankenpflege wurde er nach Aachen zu den Alexianerbrüdern gesandt. Hier fand auch das Noviziat statt, bevor er nach Weitersburg und Koblenz zurückkehrte und dort erste Hospitäler gründete. Am 21. Juni 1850 bekam der Orden die bischöfliche Bestätigung. Das Anlegen eigener Ordenskleidung sowie das Ablegen der Gelübte waren weitere Meilensteine in der Gründung des Ordens, deren Brüder nach der Regel des heiligen Augustinus lebten und auch heute noch leben.
Aus weltlicher Sicht viel zu früh starb Bruder Peter Friedhofen am 21. Dezember 1860 an seinem Lungenleiden. 44 Brüder waren zu diesem Zeitpunkt schon Mitglieder der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf. 1985 wurde Bruder Peter Friedhofen von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen und sein Gedenktag auf den 23. Juni festgelegt. Heute gibt es vor allem in Deutschland, in der Schweiz, Brasilien und Malaysia Niederlassungen der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf, die vor allem Krankenhäuser und Einrichtungen der Behinderten- und der Altenhilfe führen.
In der Kürze dieser Lebensbeschreibung kann nur erahnt werden, welche inneren und äußeren Auseinandersetzungen und Nöte, aber auch Freuden der selige Peter Friedhofen erlebt hat. Eines wird dabei deutlich: Sein fester, durch Lebens- und Leiderfahrung geprüfter Glaube an einen lebendigen und mit gehenden Gott war ihm Trost und Ansporn, sein Leben für seine tiefe Berufung zur Gottes- und Menschenliebe einzusetzen.
In einer Zeit, in der viele Menschen am Leben und den Wunden ihres Lebens zu zerbrechen drohen, es ihnen schwer fällt, auch in den Rückschlägen Gottes Plan zu erkennen, kann ein Blick auf den lieben Seligen trostreich sein. Er zeigt, wo die Quellen zum Leben und zu einer tiefen Freude liegen: im Gebet und im Leben der Sakramente, in der Treue zu Gott und den Menschen. In der unterstützenden Tat. Im Gehen durch das Leben in einer Gemeinschaft, die auffängt und trägt. Im Schauen auf Maria und schließlich in einer Liebe, die allein der menschgewordene Gott in Christus als Gnade in die Herzen des Menschen eingießt und die im liebenden Dienst der Kirche sichtbar wird.
So war das Leben des seligen Peter Friedhofen im Sinne des Pauluswortes ein Leben des guten Kampfes für Jesus, seinen Heiland, es wurde vollendet und mit der Lebenskrone von Gott gekrönt, weil es ein Leben der Treue zu den Kranken und Armen war.
Zwei Worte von Bruder Peter verdeutlichen, wie sehr er Gott vertraute und wie es ihn trieb, immer verbundener mit Gott zu leben.
"Lob und Dank dem Allerhöchsten, der mein Vertrauen gesegnet hat, der mir selbst zugesprochen, als kein Mensch auf Erden einen Rat noch Zuspruch erteilen wollte."
"Wie weit würden wir in Gott eingehen, hätten wir den Mut, aus uns herauszugehen."